Geht wählen!

Und danach gerne in die schöne, warme Badewanne. Oder auf die Couch. Oder…

Liebe Leser*innen in Deutschland: Heute ist Bundestagswahl. Bitte geht wählen! Macht einen kleinen Spaziergang oder Ausflug zum Wahllokal. Und wenn das Wetter bei euch auch so ungemütlich-grau ist wie bei uns, macht es euch doch auch so gemütlich, wie wir jetzt (zwei von uns sind noch unterwegs). Nehmt ein entspannendes warmes Bad, trinkt einen leckeren Tee oder Punsch…

Vielleicht hat euch der dreckige Wahlkampf so wenig gefallen wie uns. Vielleicht fällt euch die Entscheidung diesmal auch besonders schwer. Nachvollziehbar. Aber steckt bitte den Kopf nicht in den Sand. Ihr seid nicht machtlos, und es sind auch nicht alle gleich – es gibt Möglichkeiten (den Wahl-o-mat z.B.), die Wahlprogramme kurz und knapp zu vergleichen und herauszufinden, wer für das steht, was euch wichtig ist.

Und keine Angst vor kleinen Parteien – die können auch mal groß werden, wenn sich nur genügend Leute trauen, sie zu wählen. Auch die heute großen Parteien haben mal klein angefangen.

Schaut, wer wirklich wofür steht, und macht das Kreuz nicht bloß als „Denkzettel“. Der schadet euch schlimmstenfalls selbst!

Der Doktor und das liebe Vieh

Lange bevor ich zum ersten Mal in meinem Leben selbst nach Großbritannien reiste, hatte ich beim Gedanken an diese Insel stets eine ganz bestimmte Landschaft im Kopf: Die wilden, grünen, einsamen Yorkshire Dales. Als ich noch ein kleines Kind war, lief im deutschen Fernsehen die BBC-Serie „Der Doktor und das liebe Vieh”, die mich nicht zuletzt aufgrund der mir bis dahin unbekannten Landschaft mitriss.

Hinter guten Verfilmungen stehen oft gute Bücher. Das ist auch hier nicht anders, weshalb ich die Bücher wärmstens weiterempfehle. Wer sich sprachlich fit fühlt, sollte wie ich im englischen Original lesen. Zum einen, weil es die Bücher nach meiner derzeitigen Kenntnis nur auf Englisch ungekürzt gibt. Zum anderen, weil einem so viele Wortspielchen und Besonderheiten etwa in lokalen Dialekten begegnen, die sich gar nicht in eine andere Sprache übersetzen lassen. Und schließlich finde ich persönlich es viel schöner, wenn der Doktor in meinem Kopf auch in seiner Muttersprache redet.

Der Doktor ist genau genommen ein Tierarzt, den es wirklich gegeben hat. James Wight begann 1940 in einer Landtierarztpraxis in Yorkshire zu arbeiten. Irgendwann begann er, die vielen Erlebnisse während seiner Tätigkeit aufzuschreiben. Das machte ihm offensichtlich großen Spaß. Seine vielen lustigen, traurigen und interessanten Geschichten veröffentlichte er unter dem Pseudonym James Herriot. Die zunächst recht kurzen Bücher wurden zu insgesamt vier großen Bänden zusammengefasst. Die neuen und heute noch verwendeten Titel, beginnend mit „All Creatures Great and Small”, basieren auf einem anglikanischen Kirchenlied.

Die Tätigkeit eines Tierarztes ist zwangsläufig auch mit traurigen Ereignissen verknüpft. Der überwiegende Teil jedoch wechselt zwischen rührend und äußerst amüsant, und dank des lebhaften und schelmischen Erzählstils Herriots habe ich beim Lesen nicht selten Tränen gelacht. Darüber hinaus erzählt er auch sehr bildhaft und detailreich, sodass sich auch Laien das Geschehen gut vorstellen können. Für alle schließlich, die sich für die näher zurückliegende Geschichte interessieren, sind die Beschreibungen des Landlebens der damaligen Zeit wie auch die Methoden, mit denen Veterinäre arbeiteten, eine große Bereicherung.

Quo vadis, CDU?

„Was? DU bist in der CDU?!?” gefolgt von: „Aber warum denn? Du bist doch viel zu links!”

Das bekomme ich häufig zu hören. Und im Ernst: Auch ich grübele immer wieder, ob ich wirklich in die CDU reinpasse. Mein Problem ist nicht, dass sie sich extrem geändert hätte. Ganz im Gegenteil, ich hatte mir in all den Jahren Änderungen erhofft, die nie eintraten.

Es hatte mich vor 16 Jahren positiv überrascht, als plötzlich eine progressive Mitte in der CDU auftauchte. Angefangen mit Dr. Angela Merkel betraten Politiker*innen die Bühne, die man noch kurz zuvor im erzkonservativen Mief nie dort erwartet hätte. Für mich schienen die Zeichen deutlich auf Veränderung zu stehen, zugleich hatten sich diverse andere Parteien in meinen Augen nicht mit Ruhm bekleckert. Also beschloss ich, mitzumachen.

Viele Leute, die die Farben schwarz und braun nicht immer ganz auseinanderhalten konnten, nahmen in den folgenden Jahren die rechte, alternative Ausgangstür. Ab und an kam noch einmal ein Reaktionärer aus seinem Häuschen und versuchte, das Ruder herumzureißen. Gegen die „jungen Wilden” mit ihren weltoffenen Ideen hatten die aber scheinbar keine Chance.

Scheinbar, denn schon vor dem Ende der Ära Merkel wurden die Ewiggestrigen zwar nicht mehr, aber sie wurden und werden jeden Tag lauter. Schlimmer: Ihnen wird wieder zugehört. Manche der Verbliebenen, die schwarz und braun vermischen, stehen im Rampenlicht und schielen auf einflussreiche Pöstchen. Der frische Wind, der damals durch die Reihen ging ist mittlerweile völlig abgeflaut. Von der anfänglichen Reformstimmung spüre ich nicht mehr viel.

Ich habe mir nie wegen eines angeblichen „Linksruck” in die Hose gemacht. Vielleicht liegt es daran, was ich als „links” empfinde. Mich selbst nämlich nicht. Die Menschheit davon abzuhalten, ihre Erde zu zerstören, sehe ich nicht als links, sondern als unumgänglich. Allen Menschen ohne wenn und aber gleiche Rechte zuzuerkennen sehe ich nicht als links, sondern als selbstverständlich. Menschen für ihre Arbeit anständig zu entlohnen sehe ich nicht als links, sondern als eine Frage des Anstands. Wissenschaftliche Erkenntnisse anzuerkennen statt an veralteten Ideologien festzuhalten sehe ich nicht als links, sondern als das einzige Vernünftige. Menschen, die vor Gewalt fliehen, Schutz zu bieten statt sie ertrinken zu lassen, sehe ich nicht als links, sondern als Anwendung der christlich-abendländischen Werte, auf die manche so vehement pochen. Wenn, dann bitte richtig und nicht nur selektiv.

Sicher war ich in 16 Jahren nicht immer einer Meinung mit der Bundeskanzlerin. Aber in vielen Situationen hat sie den richtigen Weg aufgezeigt. Sei es während der Pandemie, wo sie den wutgeifernden Pöblern auf der Straße und den Populisten in den eigenen Reihen zum Trotz immer ruhig, sachlich und faktenbasiert entschieden hat, und sich nie zu schade war, die Entscheidungen auch verständlich zu erklären. Sei es 2015, als sie während der Flüchtlingskrise Verantwortung und Herz gezeigt hat, auch wenn vor allem in ihrer eigenen Partei immer wieder gefordert wurde, das Prinzip der drei Affen anzuwenden.

Allem Geschrei zum Trotz, sind wir nicht durch beide Krisen wirklich gut durchgekommen? Die Deutschen wurden weder exterminiert noch islamisiert, und wir sind auch nicht an einem kleinen Papiertuch vor dem Gesicht erstickt. Stattdessen hat sich gezeigt, dass die Mehrheit der Dazugekommenen absolut nette Leute sind, und wir am Anfang der Pandemie im Vergleich zu anderen Ländern mit einem blauen Auge davongekommen waren.

Auf der Welle der guten Entscheidungen hätte die CDU weitersurfen können. Stattdessen plötzlich Starre, sogar langsames Rückwärtstrippeln. Verkehrswende? Irgendwann, vielleicht, wenn das mit der Maut mal klappt. Erneuerbare Energien? Ja, in zig Jahren, aber bloß nicht zuviel Windkraft. TSG-Reform? Ist doch erst 40 Jahre alt, kann noch warten. Die CDU hat es tatsächlich geschafft, Tempo unendlich auf der Autobahn mit Freiheit und Eigenverantwortung des Einzelnen zu begründen, und zugleich geschlechtliche Selbstbestimmung abzulehnen, weil man Menschen vor Fehlentscheidungen schützen müsse.

Und dann kam Anfang des Jahres der Neue. Zunächst war ich noch erleichtert – mein Wunschkandidat hatte leider keine Chance, aber mein GAU war auch nicht eingetreten. Und ich wollte unvoreingenommen sein, was er mir nicht leicht gemacht hat.

Zugegeben, der Wahlkampf läuft dreckig, an allen Ecken. Ich habe es bisher bei keiner Wahl erlebt, dass Kandidat*innen nur nach am laufenden Band persönlich attackiert werden; dass mit dem feinsten Kescher in der Vergangenheit rumgefischt wird um noch das letzte Stück Staub aus dem letzten Jahrhundert hervorzugraben. Dass kontinuierlich Zitate und Bilder völlig aus dem Zusammenhang gerissen und jedes Fettnäpfchen ausgeschlachtet wird.

Ich habe mir mittlerweile abgewöhnt, auch nur hinzuschauen. Es interessiert mich nicht, wer wann zur falschen Zeit gelacht hat, in der ersten Klasse abgeschrieben hat, bei rot über den Fußgängerüberweg gelaufen ist oder die SPD kritisiert hat.

Was mich aber interessiert ist, wenn ein Kandidat die so hilfreiche, sachorientierte Herangehensweise seiner Vorgängerin völlig über Bord wirft und öffentlich ein Statement gegen Wissenschaften abgibt. Regelmäßig wissenschaftlichen Rat in den Wind schlägt. Und sich als Angehörigen der Mitte bezeichnet, was er sicher auch ist, aber gleichzeitig die Hand nach rechts außen ausstreckt und Rechtsextremen sogar in Werbespots der eigenen Partei eine Plattform bietet.

Es wäre natürlich sehr einfach, in alter „Merkel ist Schuld”-Tradition nun schlicht auch Armin Laschet die Verantwortung an der ganzen Misere zuzuschieben. Im Fettnäpfchentreten geben sich alle Kandidat*innen nicht viel. Leichen finden sich, wenn man lange nicht sucht, in jedem Keller. Laschet ist sicher nicht die Ursache des Problems, das haben wir uns als CDU gemeinsam eingebrockt. Aber er macht auf mich leider auch nicht den Eindruck, dass er die Lösung sein könnte. Vielleicht hat er die Hoffnung, irgendwie die Quadratur des Kreises zu schaffen und es allen recht zu machen. Ein solcher Ansatz ist aber nicht nur praktisch zum Scheitern verurteilt. Spätestens wenn es um gleiche Rechte für alle Menschen geht, darf es keine Kompromisse geben.

Über die Folgen für Land und Leute hinaus, ist die Rückwanderung nach rechts für mich auch wahlpolitisch nicht nachvollziehbar. Ich bin davon überzeugt, selbst wenn die CDU am rechten Rand ein paar Wähler*innen einfängt, wird ein Mehrfaches an Wähler*innen sich genau deshalb abwenden. Die politische Mitte, die die CDU eigentlich besetzen sollte, aber leider nur ungenügend besetzt hat, gehört mittlerweile eher den Grünen – wissenschaftsfreundlicher sind die leider auch nicht.

Keine Ahnung, was ich meiner eigenen Partei nun wünschen soll. Egal, wie die Wahl ausgeht, ich befürchte, die Nutznießer sitzen rechts. Gewinnt Armin Laschet, wird die ausgestreckte Hand nach rechts als Erfolg gefeiert werden. Verliert er, wird womöglich auch das wieder Angela Merkel und ihrem angeblichen Linksruck in die Schuhe geschoben.

Die CDU verspielt Vertrauen. Sie gefährdet auch ihre eigene Chance, im 21. Jahrhundert anzukommen. Dabei wäre das Potenzial da, und fähige, anständige Menschen sind es ebenfalls. Würde man sich nicht zum Spielball der ewiggestrigen Schreihälse machen, könnte die CDU durchaus konservativ-bedächtige Denkweise mit innovativer zukunfts- und menschenorientierter Politik kombinieren. Es scheint mir eher eine Frage des Wollens, nicht des Könnens.

Und ich? Bin erstmal raus. Ich erwarte nicht, dass ein Kandidat in allen Punkten meine Meinung bedient. Aber eine Politik, die meinen wichtigsten Grundsätzen – pro Wissenschaft, keine Kompromisse mit Rechtsaußen, um nur zwei zu nennen – zuwidersteht, kann und werde ich nicht unterstütze. Sorry, CDU. Ich bin Parteimitglied, kein Parteisoldat. Gerne in Zukunft wieder. Wenn die Mitte das Sagen hat und der Wind wieder in die richtige Richtung weht – auf die Menschen zu.

Tja… das da oben habe ich vor fast exakt vier Jahren geschrieben. Und leider weht der Wind auch nicht ansatzweise aus einer Richtung, die mir gefällt. Daraus habe ich die Konsequenzen gezogen und die CDU vor einiger Zeit verlassen. Ob das eine gute Entscheidung war, darüber kann man sicher diskutieren. Je mehr aus der Mitte, die keinen Schulterschluss mit Rechtsaußen möchten (oder wie man heute in der CDU sagen würde: Linksextremisten) die Partei verlassen, umso höher wird natürlich der Einfluss des rechten Flügels. Andererseits ist dieser Flügel gegen Logik und Sachargumente einigermaßen immun. Und ich habe keine Lust, mir deswegen die Nerven kaputt zu machen.

Es ist makaber. Kürzlich las ich – vermutlich auf dem Twitter-Nachfolger – einen sarkastischen Kommentar, dass Helmut Kohl und sogar Franz Josef Strauß mit mit einigen ihrer damaligen Ansichten in der heutigen Union zu den Parteilinken gehören würden. Da wäre dem guten FSJ vermutlich vor Lachen der Bierkrug aus der Hand gefallen – und doch ist da irgendwie was dran… Vor allem: Bei allen kleinen und großen Fettnäpfen, die Kohl mit Riesenschritten durchwatet hat (über Parteispenden wollen wir gar nicht erst reden), kann man klar sagen: Kohl war zu 100% überzeugter Europäer. Eine europafeindliche Partei hätte er am Bauch abprallen lassen, und wer über eine Zusammenarbeit mit einer solchen auch nur laut nachgedacht hätte, hätte das sehr schnell sehr bitter bereut. Populistische Maßnahmen wie sinnfreie Grenzblockaden, nur um sich nach rechts anzubiedern, wären bei Kohl undenkbar gewesen. Inhaltsleerer Populismus ebenso. Überhaupt hat Kohl sich niemals bei irgendjemandem angebiedert. Er hat sein Ding durchgezogen, und dabei war es ihm sch***egal, ob ihn alle liebhatten. Das ging, zugegeben, manchmal schief, hatte durchaus auch seine guten Seiten… Und selbst wenn es schon Smartphones gegeben hätte – ich bin mir sicher, Helmut Kohl hatte andere Prioritäten, als dreimal am Tag Bilder eines Pfälzer Saumagens zu posten.

Kleine, aber wichtige Details

Wie man Menschen durch Verschweigen Angst machen kann

Um Menschen effektiv Angst zu machen, lohnt es sich oft, Forschungsergebnisse aus dem Zusammenhang zu reißen oder aber ein paar kleine, dennoch wichtige Details mal eben zu „vergessen”.

So kann man Menschen sogar davon überzeugen, die Impfung mit einem so genannten mRNA-Impfstoff verändere das Erbgut eines Menschen, mache diesen quasi zum Mutanten. Ja, manche waren gar überzeugt, dass alle Geimpften eines schrecklichen Todes sterben würden. Als Zeitpunkt wurde der Herbst angegeben. Nun, kürzlich war Herbstanfang, und trotzdem erfreuen sich alle uns bekannten geimpften Menschen nach wie vor bester Gesundheit.

Bevor ich zynisch werde, holen wir mal tief Luft und schauen genauer hin: Genau hier wird nämlich ein kleines, dennoch wichtiges Detail außer Acht gelassen.

In jeder Zelle eines Organismus gibt es Enzyme, die so etwas wie Bauzeichner sind: Sie lesen Baupläne, die so genannte DNA. Um den Prozess zu vereinfachen, schreiben Enzyme aber nicht den ganzen DNA-Strang, sondern vorgegebene Ausschnitte ab. Sie machen sich quasi Notizen, die man als mRNA bezeichnet. Das „m” steht für „Messenger” (= Bote), denn diese Enzyme sind quasi die Boten, die die Pläne zur Baustelle bringen.

Auf der Baustelle werden anhand der Notizen dann Proteine hergestellt. Anhand bestimmter Codes erkennen auch die hier tätigen Enzyme (stellen wir sie uns als Ingenieure vor), welche Notizen für sie wichtig sind und welche nicht. Man kann sich diese Gen-Codes wie eine Markierung auf dem Plan vorstellen: „Enzym 4, bitte ab hier aufbauen…” Alles andere wäre auch fatal, denn dann würde jedes „Baumeisterenzym” kreuz und quer nach eigenem Gutdünken alle möglichen Proteine bauen, egal ob nötig, unnötig oder gar gefährlich.

Einige Viren machen es sich etwas einfacher: Sie speichern die Baupläne von Anfang an als handschriftliche Notizen, sprich als RNA.

Gab es bis vor einigen Jahrzehnten das Dogma der Molekularbiologie, wonach die oben beschriebenen Schritte Einbahnstraßen sein sollen, kennt man mittlerweile auch umgekehrte Fälle. Einige Viren etwa – das bekannteste dürfte das HI-Virus sein – verfügen über Bauzeichner, die aus Notizen wieder eine Bauanleitung machen können, also RNA in DNA umschreiben. Ganz neue Forschungsergebnisse lassen sogar vermuten, dass sogar Enzyme des Menschen das in gewissem Umfang können. Wie aber schon auf dem Hinweg DNA – RNA – Protein gilt auch hier: Die Enzyme werden erst durch bestimmte Codes auf den Notizen „aufgefordert”, diese wieder zurückzuschreiben.

Und genau das ist das oben erwähnte, extrem wichtige Detail. Im mRNA-Impfstoff sind nämlich nur kurze Sequenzen enthalten, die Notizen für die Proteinsynthese (Spike-Protein). Nicht enthalten sind aber die Codes, die von den aktuell bekannten entsprechenden Enzymen benötigt würden, um diese RNA in DNA umzuwandeln.

In seltenen Fällen möglich ist dies aber ausgerechnet bei einer echten Infektion mit COVID-19. Teile dessen Erbguts wurden in menschlichen Zellen gefunden. Auf die Spur gekommen war man hier aufgrund falsch-positiver COVID-Tests. Passiert übrigens schon, seit es Menschen gibt… ihre DNA enthält zahlreiche fremde Gene, die irgendwann mal von außen dazugekommen sind und dann mitgeschleppt wurden. Das würde hier aber den Rahmen sprengen.

Fazit jedenfalls auch hier wieder, wie bei so vielen anderen Schwurbeleien: Alles deutet darauf hin, dass nicht von der Impfung, sondern von der Infektion mit dem echten Virus die erheblich größere Gefahr ausgeht.

Kennen Sie Rabbie Small?

Der erste Buchtipp kommt leider später als geplant. Dafür geht es aber gleich um eine ganze Buchreihe.

Eigentlich wollte ich meinen Blog schon vor über einer Woche offiziell in Betrieb nehmen. Dann wäre dieser Text am 16. September erschienen – pünktlich zum Versöhnungstag.

Rabbi David Small, Protagonist der Buchreihe, ist Rabbiner in einer jüdischen Gemeinde an der amerikanischen Ostküste.1 Und er ist ein ausgezeichneter Detektiv, der sich weder vor einer Miss Marple noch vor Justus, Peter und Bob verstecken muss. Der entscheidende Unterschied ist aber: Er wird stets eher unfreiwillig tätig, nachdem die Verbrechen mehr oder weniger direkt vor seiner Haustür geschehen. In einigen Folgen etwa werden Mitglieder seiner eigenen Gemeinde unschuldig verdächtigt.

Was mich an dieser Buchreihe so begeistert ist, dass Autor Harry Kemelman den Schwerpunkt gar nicht alleine auf die Kriminalfälle, sondern in gleichem Umfang auch auf das typische Leben der 60er Jahre in einer amerikanischen Kleinstadt, auf das Leben in einer jüdischen Gemeinde, und vor allem auch auf die Tätigkeit eines Rabbi(ner) legt. Ja, es ist sogar genau diese Tätigkeit, die David Small bei der Lösung der Kriminalfälle hilft.

Eine der zahlreichen Aufgaben von Rabbiner*innen ist die Interpretation jüdischer Rechtsvorschriften.2 Diese erfordert methodisches Vorgehen. David Smalls Lieblingsmethode ist der „Pilpul”, beruhend auf dem strengen Grundsatz logischer Schlussfolgerung und Abwägung aller Vorkenntnisse – also eigentlich so, wie Ermittler und Wissenschaftler im Idealfall vorgehen sollten.

Harry Kemelman hat die ersten sieben Bände der Buchreihe nach der jüdischen Woche unterteilt; der erste Mord geschieht an einem Freitagabend, der siebte Fall ereignet sich an einem Donnerstag.3 Allerdings liegen Wochen oder Monate zwischen den einzelnen Fällen und Leser*innen lernen die Familie Small in über einen Zeitraum mehrerer Jahre kennen.

Auch wenn ich mich gar nicht so sehr für Krimis begeistere, Rabbi Small halte ich für ein Muss, zumindest die mir bekannten Bände der „Wochenreihe”. Die Bücher sind spannend und sehr schön zu lesen – und ganz nebenbei lernt man auch noch eine ganze Menge!

1Ein Rabbi („Meister”) ist ursprünglich Schrift- und Rechtsgelehrter. Hieraus entwickelte sich dann der Rabbiner als Gemeindeoberhaupt mit weiteren Aufgaben. David Small ist also Rabbiner (sein Beruf) und auch Rabbi (denn er ist ein Gelehrter, der den Talmud studiert).

2Außenstehende wundern sich vielleicht über „Rabinner*innen”. Es gibt im Judentum verschiedene Ausrichtungen. Nur das orthodoxe Judentum erkennt ausschließlich männliche Rabbiner an, im Gegensatz zum konservativen und zum Reformjudentum. Erste Rabbinerinnen gab es mindestens schon vor etwa 500 Jahren, womöglich aber schon früher.

3Der „Schabbat” beginnt nicht erst am Samstag um 0:00 Uhr, sondern schon am Sonnenuntergang des vorhergehenden Freitags.