Kennen Sie Rabbie Small?

Der erste Buchtipp kommt leider später als geplant. Dafür geht es aber gleich um eine ganze Buchreihe.

Eigentlich wollte ich meinen Blog schon vor über einer Woche offiziell in Betrieb nehmen. Dann wäre dieser Text am 16. September erschienen – pünktlich zum Versöhnungstag.

Rabbi David Small, Protagonist der Buchreihe, ist Rabbiner in einer jüdischen Gemeinde an der amerikanischen Ostküste.1 Und er ist ein ausgezeichneter Detektiv, der sich weder vor einer Miss Marple noch vor Justus, Peter und Bob verstecken muss. Der entscheidende Unterschied ist aber: Er wird stets eher unfreiwillig tätig, nachdem die Verbrechen mehr oder weniger direkt vor seiner Haustür geschehen. In einigen Folgen etwa werden Mitglieder seiner eigenen Gemeinde unschuldig verdächtigt.

Was mich an dieser Buchreihe so begeistert ist, dass Autor Harry Kemelman den Schwerpunkt gar nicht alleine auf die Kriminalfälle, sondern in gleichem Umfang auch auf das typische Leben der 60er Jahre in einer amerikanischen Kleinstadt, auf das Leben in einer jüdischen Gemeinde, und vor allem auch auf die Tätigkeit eines Rabbi(ner) legt. Ja, es ist sogar genau diese Tätigkeit, die David Small bei der Lösung der Kriminalfälle hilft.

Eine der zahlreichen Aufgaben von Rabbiner*innen ist die Interpretation jüdischer Rechtsvorschriften.2 Diese erfordert methodisches Vorgehen. David Smalls Lieblingsmethode ist der „Pilpul”, beruhend auf dem strengen Grundsatz logischer Schlussfolgerung und Abwägung aller Vorkenntnisse – also eigentlich so, wie Ermittler und Wissenschaftler im Idealfall vorgehen sollten.

Harry Kemelman hat die ersten sieben Bände der Buchreihe nach der jüdischen Woche unterteilt; der erste Mord geschieht an einem Freitagabend, der siebte Fall ereignet sich an einem Donnerstag.3 Allerdings liegen Wochen oder Monate zwischen den einzelnen Fällen und Leser*innen lernen die Familie Small in über einen Zeitraum mehrerer Jahre kennen.

Auch wenn ich mich gar nicht so sehr für Krimis begeistere, Rabbi Small halte ich für ein Muss, zumindest die mir bekannten Bände der „Wochenreihe”. Die Bücher sind spannend und sehr schön zu lesen – und ganz nebenbei lernt man auch noch eine ganze Menge!

1Ein Rabbi („Meister”) ist ursprünglich Schrift- und Rechtsgelehrter. Hieraus entwickelte sich dann der Rabbiner als Gemeindeoberhaupt mit weiteren Aufgaben. David Small ist also Rabbiner (sein Beruf) und auch Rabbi (denn er ist ein Gelehrter, der den Talmud studiert).

2Außenstehende wundern sich vielleicht über „Rabinner*innen”. Es gibt im Judentum verschiedene Ausrichtungen. Nur das orthodoxe Judentum erkennt ausschließlich männliche Rabbiner an, im Gegensatz zum konservativen und zum Reformjudentum. Erste Rabbinerinnen gab es mindestens schon vor etwa 500 Jahren, womöglich aber schon früher.

3Der „Schabbat” beginnt nicht erst am Samstag um 0:00 Uhr, sondern schon am Sonnenuntergang des vorhergehenden Freitags.