Der Doktor und das liebe Vieh

Lange bevor ich zum ersten Mal in meinem Leben selbst nach Großbritannien reiste, hatte ich beim Gedanken an diese Insel stets eine ganz bestimmte Landschaft im Kopf: Die wilden, grünen, einsamen Yorkshire Dales. Als ich noch ein kleines Kind war, lief im deutschen Fernsehen die BBC-Serie „Der Doktor und das liebe Vieh”, die mich nicht zuletzt aufgrund der mir bis dahin unbekannten Landschaft mitriss.

Hinter guten Verfilmungen stehen oft gute Bücher. Das ist auch hier nicht anders, weshalb ich die Bücher wärmstens weiterempfehle. Wer sich sprachlich fit fühlt, sollte wie ich im englischen Original lesen. Zum einen, weil es die Bücher nach meiner derzeitigen Kenntnis nur auf Englisch ungekürzt gibt. Zum anderen, weil einem so viele Wortspielchen und Besonderheiten etwa in lokalen Dialekten begegnen, die sich gar nicht in eine andere Sprache übersetzen lassen. Und schließlich finde ich persönlich es viel schöner, wenn der Doktor in meinem Kopf auch in seiner Muttersprache redet.

Der Doktor ist genau genommen ein Tierarzt, den es wirklich gegeben hat. James Wight begann 1940 in einer Landtierarztpraxis in Yorkshire zu arbeiten. Irgendwann begann er, die vielen Erlebnisse während seiner Tätigkeit aufzuschreiben. Das machte ihm offensichtlich großen Spaß. Seine vielen lustigen, traurigen und interessanten Geschichten veröffentlichte er unter dem Pseudonym James Herriot. Die zunächst recht kurzen Bücher wurden zu insgesamt vier großen Bänden zusammengefasst. Die neuen und heute noch verwendeten Titel, beginnend mit „All Creatures Great and Small”, basieren auf einem anglikanischen Kirchenlied.

Die Tätigkeit eines Tierarztes ist zwangsläufig auch mit traurigen Ereignissen verknüpft. Der überwiegende Teil jedoch wechselt zwischen rührend und äußerst amüsant, und dank des lebhaften und schelmischen Erzählstils Herriots habe ich beim Lesen nicht selten Tränen gelacht. Darüber hinaus erzählt er auch sehr bildhaft und detailreich, sodass sich auch Laien das Geschehen gut vorstellen können. Für alle schließlich, die sich für die näher zurückliegende Geschichte interessieren, sind die Beschreibungen des Landlebens der damaligen Zeit wie auch die Methoden, mit denen Veterinäre arbeiteten, eine große Bereicherung.